Andersen Lale
Künstler-Biografie
Lale Andersen (bürgerlich Liese-Lotte Helene Berta Bunnenberg), geboren am 23. März 1905 in Lehe (heute Bremerhaven-Lehe) als Tochter eines Schiffsstewards, gestorben am 29. August 1972 in Wien, war eine deutsche Sängerin und Schauspielerin – weltberühmt geworden durch ein einziges Lied, das ihr zugleich Ruhm und grosses Leid einbrachte. Schon mit 17 Jahren heiratete sie 1922 den Maler Paul Ernst Wilke, unter dessen Pseudonym Nicola Wilke sie später eigene Liedtexte verfasste. Zwischen 1924 und 1929 bekam das Paar drei Kinder. Doch die junge Mutter liess ihre Familie zurück, um in Berlin Schauspiel- und Gesangsunterricht zu nehmen – die Kinder wuchsen fortan bei Verwandten und in Heimen auf. 1931 wurde die Ehe geschieden, im selben Jahr gab sie ihr Bühnendebüt am Deutschen Künstlertheater in Berlin.
Es folgten Engagements am Schauspielhaus Zürich (1933–1937), wo sie mit Rolf Liebermann eine lebenslange Freundschaft schloss, dann am Münchner Kabarett Simpl und schliesslich am renommierten Kabarett der Komiker in Berlin. Dort traf sie 1939 auf den Komponisten Norbert Schultze, der ihr seine Vertonung eines alten Gedichts von Hans Leip vorspielte: „Lili Marleen“. Die Aufnahme blieb zunächst nahezu unbeachtet – bis der Soldatensender Belgrad das Lied 1941 ausstrahlte und es sich, quer über alle Fronten hinweg, zum grössten internationalen Hit des Zweiten Weltkriegs entwickelte, gehört und geliebt von Soldaten auf beiden Seiten. Über zwei Millionen verkaufte Platten machten es zum ersten deutschen Millionenseller überhaupt.
Doch der Erfolg wurde ihr zum Verhängnis. Als 1942 ihre privaten Kontakte zu Schweizer Juden bekannt wurden und sie sich weigerte, an einer organisierten Besichtigung des Warschauer Ghettos teilzunehmen, fiel sie beim NS-Regime in Ungnade. Goebbels liess das Lied verbieten, nannte es das „Lied mit dem Totentanzgeruch“ – es mache die Soldaten nicht kampfbereit, sondern nur heimwehkrank. Im September 1942 wurde Andersen aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen, ihre Platten aus dem Rundfunk verbannt, ein Auftrittsverbot verhängt. Als die BBC daraufhin fälschlich meldete, sie sei in ein Konzentrationslager eingewiesen worden, sahen sich die Nationalsozialisten zu einem Dementi gezwungen und liessen sie ab Mai 1943 wieder auftreten – allerdings unter der Auflage, „Lili Marleen“ nie wieder zu singen und sich in keiner Weise mit ihrem eigenen Welterfolg in Verbindung zu bringen. Kurz vor Kriegsende floh sie mit ihrem jüngsten Sohn Michael auf die Nordseeinsel Langeoog, die zu ihrer Wahlheimat wurde.
Nach dem Krieg ging Andersen mit Chansons und Seemannsliedern erneut auf internationale Tourneen. 1949 heiratete sie den Komponisten Artur Beul, der fortan viele ihrer Lieder schrieb. 1956 sang sie im Film „…wie einst Lili Marleen“ erneut ihr Schicksalslied sowie „Südseenacht“ – unter anderem vor 16.000 Kriegsveteranen des Afrikafeldzugs. 1961 vertrat sie mit „Einmal sehen wir uns wieder“ Deutschland beim Grand Prix Eurovision in Cannes und wurde mit 55 Jahren zur bis dahin ältesten Teilnehmerin der Show-Geschichte – Platz 13 von 16. Bis 1970 blieb sie in zahlreichen Fernsehshows präsent, das Time Magazine nahm sie in seine Liste der berühmtesten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts auf.
1972 veröffentlichte sie ihre Autobiografie „Der Himmel hat viele Farben“, die es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte – im selben Jahr starb sie in Wien an Krebs. Sie wurde eingeäschert, ihre Urne liegt auf dem Dünenfriedhof von Langeoog, unweit ihres Sommerhauses „Sonnenhof“. 1980 verfilmte Rainer Werner Fassbinder mit Hanna Schygulla ihr Leben unter dem Titel „Lili Marleen“ – lose an ihrer Autobiografie orientiert, wich die Filmhandlung laut ihrem letzten Ehemann Artur Beul allerdings deutlich von der Realität ab und liess von den schweren Jahren unter dem Nationalsozialismus kaum etwas erahnen.
Bekannte Lieder:
– Lili Marleen
– Ein Schiff wird kommen
– Fernweh
– Blue Hawaii
– Einmal sehen wir uns wieder
– Ketten aus Bernstein
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